Ein Unternehmen ohne Vision ist ein Job ohne Zukunft.
The Golden Circle nach Simon Sinek
Gedanken über Vision und Leadership
Unternehmen zahlen faire Löhne. Sie bieten flexible Arbeitszeiten. Manche haben sogar einen Tischtennistisch im Pausenraum. Und trotzdem: Wenn es darauf ankommt, wenn es schwierig wird, wenn der Wind dreht – dann schauen die meisten Mitarbeitenden zuerst auf die Uhr. Sonderschicht? Kein Thema. Das ist kein Loyalitätsproblem. Das ist ein Kulturproblem.
Das WARUM fehlt – zumindest im Alltag
Simon Sinek hat es vor Jahren auf den Punkt gebracht: Häufig ist es so, dass Unternehmer:innen und ihre Mitarbeitenden wissen, was sie tun. Viele wissen, wie sie es tun. Aber erschreckend wenige wissen wirklich, warum sie es tun – ausser vielleicht die Gründer:innen. Wo steckt also die echte Überzeugung, die man jeden Morgen mit zur Arbeit bringt?
Das WARUM ist kein Unternehmenszweck, der im Jahresbericht steht und dort verstaubt. Es ist nicht der erzielte Jahresumsatz, der auf einer Urkunde eingraviert ist. Es ist das Bild einer Zukunft, die es so noch nicht gibt – konkret genug, um sie fast zu sehen, und gross genug, um dafür einzustehen. Eine Vision, die nicht erklärt werden muss, sondern die man spürt. Die lebt. Die gelebt wird. Für die es sich lohnt, morgens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Wer dieses Bild nicht zeichnen kann, sollte sich nicht wundern, dass seine Mitarbeitenden nur einen Job machen. Ohne Engagement.
Das unendliche Spiel – und warum Quartalsdenken Kulturen zerstört
Unternehmen, die ausschliesslich auf kurzfristige Resultate fixiert sind, spielen ein Spiel, das sie langfristig gegen sich selbst verlieren. Sinek nennt es the infinite game – das unendliche Spiel. Denn in der Arbeitswelt gibt es keinen definierten Endpunkt, keine klaren Sieger:innen. Es gibt nur Unternehmen, die mit der Zeit gehen – und solche, die irgendwann aufhören zu existieren.
Starke Kulturen denken nicht in Quartalen. Sie agieren vorausschauend. Sie handeln im Sinne ihrer Vision. Das bedeutet nicht, Resultate zu ignorieren. Es bedeutet zu verstehen, dass nachhaltige Resultate aus Menschen entstehen, die an etwas glauben – nicht aus Prozessen, die Menschen ersetzen sollen.
Leadership – das missverstandene Konzept
Führungskräfte werden auch in der heutigen Zeit immer noch an nachweisbaren Resultaten gemessen: Umsatz – Umsatz – Umsatz. Gewinnmaximierung – Gewinnmaximierung – Gewinnmaximierung. Also liegt ihr Fokus auf diesen Resultaten. Sie kontrollieren, optimieren, fordern. Und wundern sich, warum ihre besten Leute irgendwann gehen – innerlich zuerst, dann physisch.
Hier liegt einer der häufigste Denkfehler. Manager:in ist nicht gleichzustellen mit Leader:in.
Denn Leadership bedeutet etwas anderes. Leader:innen sind nicht verantwortlich für Resultate. Sie sind verantwortlich für die Menschen, die Resultate liefern. Das ist kein weicher Ansatz. Das ist der härteste Job im Unternehmen. Denn es erfordert Vertrauen statt Kontrolle, Klarheit statt Mikromanagement und den Mut, Entscheide zu treffen, die nicht jedem gefallen – aber dem Warum dienen.
Ein Team, das seiner Leader:in vertraut, überwindet Hindernisse. Nicht weil es muss. Sondern weil es will. Nicht weil es Spass bereitet, aber weil es dem Erreichen der Vision dient.
Toll statt okay – der entscheidende Unterschied
Es gibt Menschen, die ihren Job gern machen. Ihn ganz okay finden. Sie sind zuverlässig, kompetent, professionell. Und es gibt Menschen, die ihren Job lieben. Toll finden. Inspirierend. Sie kommen ins Schwärmen, wenn sie über das Unternehmen sprechen. Ihre Augen leuchten, wenn sie von ihrem Team erzählen. Sie schieben eine Sonderschicht, wenn es schwierig wird – nicht weil es unbändige Freude bereitet, sondern wegen dem, wofür sie sich engagieren.
Der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen liegt nicht im Gehalt. Er liegt in der Kultur, die ein Unternehmen lebt. Eine Kultur entsteht nicht durch ein Retreat-Wochenende, ein Jahresabschlussessen oder ein neues Leitbild. Sie entsteht durch das, was Führungskräfte täglich vorleben. Welche Entscheide sie treffen. Wie sie ihre Mitarbeitenden einbeziehen. Wie man zusammensteht, wenn es darauf ankommt.
Eine Unternehmenskultur, für die sich Mitarbeitende einsetzen, ist kein Zufall. Sie ist eine Entscheidung – die jeden Tag neu getroffen werden muss. Die Kernfrage ist, ob die Vision des Unternehmens es wert ist, sich dafür zu engagieren.
Mathias Kühni
Executive Coaching | equilibra